?

Ratsinformationssystem

Vorlage - 125/2017  

Betreff: Antrag der Fraktion Bündnis`90/Die Grünen zum Anlegen von Blühstreifen bzw. Blühflächen auf städtischen Flächen
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussdrucksache
Federführend:Service 1.11 - Zentrale Dienste   
Beratungsfolge:
Rat der Stadt Hemmingen Einbringung
15.06.2017 
7. Sitzung des Rates der Stadt Hemmingen ungeändert beschlossen   
Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt Vorberatung
03.08.2017 
5. Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt zurückgestellt   
14.09.2017 
6. Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt zur Kenntnis genommen   
Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt Vorberatung
Verwaltungsausschuss Vorberatung
Rat der Stadt Hemmingen Entscheidung
26.10.2017 
9. Sitzung des Rates der Stadt Hemmingen geändert beschlossen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

Beschlussvorschlag:

1. Auf geeigneten städtischen Grünflächen und Liegenschaften sollen durch bienen-freundliche (Teil-)Gestaltungen, von Ansaat bzw. Bepflanzung eine vielfältige Tracht für die Bienen ermöglicht werden. Die Anlage von Blühflächen und vernetzenden Blühstreifen sollte nach Möglichkeit auf folgenden Flächen erfolgen:

• auf Kreisverkehren

• an Straßenrändern und Straßenbanketten –

• an Fahrradwegen

• an Ortseingangsbereichen

• in Teilbereichen der Parkanlagen

• auf ökologischen Ausgleichsflächen

• auf Ackerrändern

• auf sonstigen ungenutzten öffentlichen Grünflächen

 

2. Die Pflege der Grünflächen ist bienenfreundlich zu gestalten, indem

 

a) die Pflegeintensität reduziert wird z. B. durch Verringerung der Mahdhäufigkeit und des Düngemitteleinsatzes

und b) auf den Einsatz von Pestiziden verzichtet wird.

 

3. Auf geeigneten städtischen Flächen und Gebäuden (z. B. Rathaus, Ämter, Schulen) sollen öffentlichkeitswirksam Bienenbeuten (Behausungen von Bienen) aufgestellt werden.

4. Landwirtinnen und Landwirte sollen direkt von der Stadt zur Teilnahme an Förder-projekten und -Maßnahmen, die dem Naturschutz zweckdienlich sind, angeregt wer-den. Hierbei ist auf Förderprogramme der Landwirtschaftskammer und des Nieder-sächsischen Umweltministeriums hinzuweisen.

 

 

 


Sachverhalt:

Die Fraktion Bündnis`90/Die Grünen stellt mit Schreiben vom 27.04.2017 den als Anlage beigefügten Antrag.

 

Begründung

Die Honigbiene ist das drittwichtigste Nutztier in Deutschland. Sie produziert Honig und sorgt mit den Wildbienen durch ihre Bestäubungsarbeit dafür, dass Pflanzen Früchte tragen und so unsere Nahrungsversorgung gesichert ist. Durch die negative Entwicklung unserer Kulturlandschaften durch die intensivierte Landwirtschaft haben sich die Lebensbedingungen der Blüten bestäubenden Insekten in den letzten Jahrzehnten dramatisch verschlechtert. Von den ca. 560 in Deutschland vorkommenden Wildbienenarten gilt mehr als die Hälfte als gefährdet. Bei den Honigbienen gibt es im Winter teilweise bis zu 35 % Verlust.

Neben dem mangelnden Nahrungsangebot (Wildblumen und -kräuter) ist hierbei auch das Verschwinden der Nistmöglichkeiten verantwortlich für den Rückgang dieser Arten. Die Umsetzung der o.g. Maßnahmen soll ein erster Schritt sein, um dieser negativen Entwicklung Einhalt zu gebieten.

Grünflächen lassen sich durch eine abwechslungsreiche Blütentracht und Verringerung der Pflegemaßnahmen bspw. als mehrjährige Blühwiesen bienenfreundlich gestalten. Blühstreifen können nahezu überall Rasenabschnitte begleiten. In Schulgärten können bestimmte Teile auch im Rahmen der Fruchtfolge als Bienenweide dienen bzw. können Außengelände von Schulen generell eine gezielt bienenfreundliche Bepflanzung erhalten. Dies bietet auch Anregungen für Schulprojekte, auch hierfür gibt es bereits genügend Beispiele für Bienen-beuten an Schulen.

Bei Blühstreifen handelt es sich um streifenförmige Einsaat von (einheimischen) Wildkräutern und -blumen. Naturschutzfachliches Ziel ist es, durch die Vernetzung von Blühstreifen die Strukturvielfalt dauerhaft zu erhöhen. So können wieder Lebensräume und Nahrungs-quellen für Insekten und weitere Arten geschaffen werden. Darüber hinaus haben Blühstreifen eine wichtige Bedeutung für die Bereicherung und Aufwertung des Landschaftsbildes.

Der Pflegeaufwand der Blühflächen ist - je nach verwendeter Samenmischung (einjährige oder mehrjährige Mischungen) - deutlich geringer als der von Grünstreifen.

Alle Flächen sollten zum Jahresende, nach dem Abblühen, nur einmal abgemäht werden. Die Flächen mit einjährigen Mischungen müssen solange bis genügend Samen im Boden sind (ein paar Jahre) jedes Jahr umgebrochen und eingesät werden – nach ein paar Jahren ist nur noch ein Umbrechen nötig. Die Flächen mit mehrjährigen Mischungen müssen alle 3 bis 5 Jahre umgebrochen und neu eingesät werden, bis auch hier genügend Samen im Bo-den sind – dann müssen sie nur noch umgebrochen werden. Einfache Grünflächen müssen hingegen häufiger gemäht werden.

Zusätzliches kostenintensives Düngen oder Bewässern der Blumenwiesen ist nicht notwendig. Düngen wäre in diesem Fall sogar kontraproduktiv, weil das die Blumen zurückdrängen und die Gräser bevorzugen würde. Es existieren unterschiedliche Saatmischungen für jegliche Umgebungsformen (z.B. für Verkehrsinseln, Böschungen, salzverträgliche Straßenban-kettmischungen usw.).

Dass diese Vorgehensweise mit Kosteneinsparungen für die Stadt/Kommune verbunden sein kann, zeigte eine groß angelegte Referenzuntersuchung aus Mössingen aus dem Jahr 2005 (siehe Anhang). Hierbei bestätigte sich, dass Blumenwiesen grundsätzlich preisgünstiger zu pflegen sind, als konventionelle Rasenflächen.

Aber nicht nur die Stadt soll einen Beitrag zum Naturschutz leisten, auch Landwirtinnen und Landwirte sollen motiviert werden, Naturschutz stärker in ihre Arbeit zu integrieren. Es existieren bereits einige Förderprojekte, welche beispielsweise Fördergelder für die Anlegung von Blühflächen bzw. Blühstreifen auf den Seitenrändern oder die naturnahe Nutzung von Ackerflächen anbieten. So z.B. fördert das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz die Anlage von mehrjährigen Blühstreifen und diese Maßnahmen sollten den Landwirtinnen und Landwirten, aufgrund der bereits genannten Gründe, von der Stadt ausdrücklich empfohlen werden.

 

 


Weitere Angaben:

 

Aus dem Beschlussvorschlag ergeben sich finanzwirtschaftliche Auswirkungen (Erträge, Aufwendungen, Investitionskosten) unmittelbar auf den Haushalt der Stadt Hemmingen:

Ja:

 

Nein:

x

 

 

 


Anlage(n):

Anlage 1 DS 125_2017 Antrag Grüne Bienen

Anlage 2 DS 125_2017 Antrag Grüne Bienen

 

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Anlage 1 DS 125_2017 Antrag Grüne Bienen (482 KB)      
Anlage 2 2 Anlage 2 DS 125_2017 Antrag Grüne Bienen (2123 KB)      
Stammbaum:
125/2017   Antrag der Fraktion Bündnis`90/Die Grünen zum Anlegen von Blühstreifen bzw. Blühflächen auf städtischen Flächen   Service 1.11 - Zentrale Dienste   Beschlussdrucksache
125/2017-1   Antrag der Fraktion Bündnis`90/Die Grünen zum Anlegen von Blühstreifen bzw. Blühflächen auf städtischen Flächen   Fachbereich 1 - Innerer Service/Erste Stadträtin   Beschlussdrucksache